Fitnesstracker und Datenschutz – „Big Brother“ trainiert mit

Fitnesstracker und Smartwatches gehören für viele Freizeitsportler zur Standardausstattung. Die Tatsache, dass die erhobenen Daten schnell in falsche Hände geraten können, wird von der großen Mehrheit (noch) ignoriert. Der erste große Datenschutz-Skandal in der Branche ist deshalb wohl nur eine Frage der Zeit.

Interessiert es Sie, ob Ihr neuer Kollege wegen Bandscheibenvorfalls behandelt wurde? Oder sogar, welche Therapien und Sportübungen er deshalb macht? Möchten Sie wissen, welche Pulsfrequenz Ihr Nachbar bei seiner letzten Joggingrunde hatte? Hat er vielleicht einen sogar einen Herzfehler?
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Zahllose Sicherheitslücken bei Fitnesstrackern

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Die Antworten auf diese Fragen kann jeder Hacker relativ einfach herausfinden. Bereits Mitte 2015 warnte der Malware-Experte AV Test vor den Sicherheitslücken bei Fitnesstrackern. Insbesondere die Bluetooth-Schnittstellen wurden teilweise als sehr anfällig bewertet. Bei mehreren Geräten konnten hier unbefugt Daten ausgelesen und manipuliert werden. Trotz der enormen Innovationskraft der Branche stellte die kanadische Non-Profit-Organisation Open Effect im Februar 2016 erneut schwere Sicherheitslücken fest. In der Studie „Every Step You Fake“ stellt die Organisation fest, dass 7 der 8 renommiertesten Fitnesstracker erhebliche Mängel bei der Datensicherheit aufweisen.
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Wen interessieren schon meine Fitnessdaten?

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Welche Krankenkasse wüsste nicht gerne Genaueres über den Gesundheitszustand ihrer Mitglieder? Welches Fitnessstudio würde nicht gerne Ihre sportlichen Vorlieben kennen, bevor Sie zum ersten Probetraining kommen? Welcher potenzielle Arbeitgeber wüsste nicht gerne ob der zukünftige Mitarbeiter in der Vergangenheit öfter wegen körperlicher Beschwerden krankgeschrieben war? Die Liste ließe sich wohl noch ein ganzes Stück weiterführen.

Der Anreiz zum Datenmissbrauch ist sehr groß. Der Boom mit Fitnessarmbändern und -Apps wird aber trotz der großen Risiken weiter anhalten. Der gesellschaftliche Druck zur Selbstoptimierung und die Flexibilität durch die ständige Datenverfügbarkeit mögen hier eine wichtige Rolle spielen. Die Hersteller von Fitnesstrackern und –armbändern müssen also in punkto Datensicherheit enorm zulegen. Sonst wird das Umdenken wohl erst nach dem ersten Datenschutzskandal in der Fitnessbranche einsetzen.

 

Quelle Bilder: Clipdealer


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